Bestimmt wird alles gut

Kirsten Boie & Jan Birck
Übersetzung ins Arabische: Mahmoud Hassanein
Klett Kinderbuch Verlag

Alter 6-99 /WM/Lesbarkeit: einfach / Textumfang: L (48 Seiten)

Dies ist die wahre Geschichte von Rahaf, die ist jetzt zehn Jahre alt. Und von ihrem Bruder Hassan, der ist jetzt neun. Früher haben Rahaf und Hassan in einer anderen Stadt gewohnt. Die Stadt heißt Homs und liegt in einem anderen Land. Das Land heißt Syrien, Doch dann kamen die Flugzeuge ... Quelle: Klett Kinderbuch Verlag

Leseempfehlung

von Sabine Kruber

Es ist schwer zu begreifen, was in unserer Welt gerade passiert. Krieg und Terror, Flucht und Vertreibung. Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass Kinder dies mitbekommen. Man kann sie von diesen Themen nicht abschirmen und das ist, denke ich, auch gar nicht sinnvoll. Aber wie kann man mit Kindern über Krieg, Vertreibung und Flucht sprechen, ohne sie zu ängstigen und sie zu überfordern? Hier helfen gute Kinderbücher weiter. Und genau solch ein Kinderbuch ist Bestimmt wird alles gut. Obwohl das Buch für Kinder ab 6 Jahren ist, empfehle ich es auch allen Altersgruppen darüber. Besonders aber den Menschen, die gegen Flüchtlinge hetzen, sie bedrohen, angreifen.
Kirsten Boie hat sich bei ihrer Geschichte an den Erzählungen von Flüchtlingskindern orientiert, mit denen sie gesprochen hat. Dies verleiht der Geschichte eine hohe Authentizität. Mit einer Sprache, die nicht verschweigt, die junge Leser aber auch nicht verängstigt, erzählt sie die Geschichte der zehnjährigen Rahaf und ihrem Bruder, dem neunjährigen Hassan. Sie kommen aus Syrien. In der Stadt Homs lebten sie mit ihren Eltern, ihren zwei kleinen Geschwistern, Großeltern, Onkel, Tante, Cousins und Cousinen in einem großen Haus. Eigentlich hat sich das Leben der Kinder nicht so sehr von den Kindern hier in Deutschland unterschieden. Sie gingen zur Schule, hatten Freunde, spielten Verstecken oder mit Puppen. Bis die Flugzeuge kamen und Männer auf den Straßen mit Panzern und Gewehren kämpften. Der Alltag der Kinder veränderte sich schlagartig.
Die Familie beschließt, Homs zu verlassen. Da der Vater Arzt ist, kann er sich den Flug nach Ägypten leisten. Und so brechen Rahaf und Hassan mit ihren Eltern und den beiden kleinen Geschwistern auf. Der Rest der Familie bleibt in Homs.
In ausgewählten Bildern erzählt Kirsten Boie, wie entbehrungsreich und traumatisierend die Flucht über das Mittelmeer nach Italien und später über Frankreich nach Deutschland gewesen sein muss.
Hierbei zeigt sie besonders Begebenheiten, die Kinder gut nachvollziehen können. So nehmen die Schlepper zum Beispiel das gesamte Gepäck der Familie nicht mit an Bord, um noch mehr Menschen auf das Boot zu bekommen. Im Gepäck war auch Rahafs Lieblingspuppe Lulla. In dieser Situation können junge Leser den Verlust, den Rahaf erleidet, sehr gut nachempfinden. Für den erwachsenen Leser steht Lulla vielleicht eher für all die Kinder, die die Flucht über das Mittelmeer nicht geschafft haben.
Schließlich kommt die Familie in Deutschland an. Hier ist alles fremd. Anstelle ihres großen Hauses leben sie nun alle zusammen in einem Zimmer. Aber sie sind in Sicherheit. Die Kinder gehen zur Schule, finden neue Freunde, lernen deutsch. Und vielleicht kann Papa ja auch irgendwann wieder als Arzt arbeiten. Denn: Bestimmt wird alles gut.

Ich empfehle, Kinder beim Lesen dieses Buchs nicht alleine zu lassen. Es wird ganz bestimmt Gesprächsbedarf bestehen. Lesen Sie es gemeinsam. In der Familie, als Klassenlektüre. Auch Kinder, die sich mit dem Lesen noch etwas schwertun, dürften mit dem Text gut zurechtkommen. Die Lesbarkeit ist einfach. Der Text (Textumfang L) unterteilt sich in sechs Kapitel, die jedoch keine eigene Überschrift haben, sondern nur durch einen vergrößerten ersten Buchstaben hervorgehoben werden. Da auf jeder Seite der Text auf Deutsch und auf Arabisch steht, umfasst die Textmenge nie mehr als eine halbe Seite. Dies kommt auch Lesern entgegen, die sich mit umfangreicheren Texten noch schwertun. Begleitet wird der Text von farbigen, meist ganzseitigen Illustrationen, die bestimmte Szenen noch verstärken, jedoch nicht überfordern.
Bei der Schrift handelt es sich um eine normalgroße Serifenschrift. Leser, die mit dieser Schrift Schwierigkeiten haben, empfehle ich das Hörbuch oder die animierte Boardstorie auf Onilo. Auf diese kann man bis zum 30.04.2016 sogar noch kostenlos zugreifen. Die Animation weicht stark vom Buch ab. Im Vergleich hierzu hat das Buch viel weniger Illustrationen. Der Text auf Onilo ist größer und serifenlos. Man hat auch die Möglichkeit, sich die Geschichte vorlesen zu lassen. Im Unterricht kann man sie über das White-Board laufen lassen. Es gibt auch pädagogisches Begleitmaterial.

Im Buch selbst steht am Ende eine Liste mit ersten Wörtern und Sätzen in Deutsch und Arabisch (mit Aussprachehilfe). Diese Liste eignet sich sehr gut zur ersten Kontaktaufnahme.

Bestimmt wird alles gut. Eine optimistische Aussage – und das ist auch richtig so. Vielleicht regt es nicht nur Kinder dazu an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man Menschen helfen kann, die alles verloren haben und wie man es schafft, dass nicht mehr 60 Mio. Menschen auf der Flucht sein müssen. Sich mit den Ursachen zu beschäftigen, macht sicher mehr Sinn, als all seine Energie gegen Flüchtlinge zu verwenden.

 

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