Linkslesestärke

oder die Sache mit den Borten und Wuchstaben

Band 1
Anja Janotta & Stefanie Jeschke
cbt Verlag

Alter: ab 9 /Wm/ Lesbarkeit: normal /Textumfang: XXL (240 Seiten)

Rechtschreibung ist ein rotes Tuch für Mira. Aber die Kunst des Buchstabendrehens beherrscht sie wie keine andere: klarer Fall von Linkslesestärke! Nur bei Namen hapert es – die kann Mira sich beim besten Willen nicht merken. Was doof ist, wenn man Freunde finden will. Als ein Mädchen mit himmelblauen Augen und blonden Spagettihaaren neu in die Klasse kommt, hat Mira genau aus diesem Grund schlechte Karten. Die fast neue Freundin wird ihr vor der Nase weggeschnappt, und überhaupt hagelt es plötzlich Gemeinheiten. Hat die Fiese aus ihrer Klasse es etwa auf Mira abgesehen? Wenn das mal kein Schlamm + Assel wird ... Quelle: cbt Verlag

Leseempfehlung

von Sabine Kruber

Mira geht in die 3. Klasse. Eigentlich hat sie ein starkes Selbstbewusstsein und das trotz ihrer Rechtschreibschwäche. Lesen kann sie auch nicht so gut und außerdem kann sie sich nur schlecht Namen merken. Aber Mira arrangiert sich durchaus mit ihren Schwächen. So schreibt sie zum Beispiel lieber auf dem Computer, denn der hat eine Rechtschreibkorrektur. Und es gibt da viele Dinge, die sie gut kann. Sie ist gut in Mathe und sie kann freihändig Rad fahren, während sie auf dem Gepäckträger sitzt.
Dann ist da noch Felix, den Mira immer nur ihren längsten Freund nennt, weil sie sich seinen Namen auch nicht merken kann. Mit Felix spielt sie gerne Buchstaben verdrehen. So wird dann aus Schokolade Lokoschade oder aus Rapunzel Parunzel. Felix bringt sie auch auf die Idee, aus einer Schwäche eine Stärke zu machen und so fangen sie gleich mit dem doofen Wort Rechtschreibschwäche an, verdrehen alles ins Gegenteil und kommen so auf den Begriff Linkslesestärke. Nebenher bemerkt, muten Miras Rechtschreibfehler eher wie kreative Wortakrobatik an: Schlamm-Assel = Schlamassel, Po-Sitz-John = Position. So kreativ sind Rechtschreibfehler in der Realität sicher nicht – doch Schwamm drüber. Es macht beim Lesen einfach Spaß, den Sinngehalt dieser kleinen Worträtsel zu erraten, die sich überall im Text finden und dadurch erkennbar sind, dass die Schrift von der normalen Serifenschrift in eine Handschrift wechselt. Auch die Überschriften der Kapitel bestehen aus diesen kreativen Schreibschöpfungen.
Wie gesagt, eigentlich ist Mira ein Mädchen mit einem starken Selbstbewusstsein. So bietet sie auch dem Leser gleich die Freundschaft an. Denn mit Freunden ist das leider so eine Sache. Bis auf Felix hat sie in ihrer Klasse eigentlich keine Freunde. Im Gegenteil, es gibt dort Kinder, die ihr das Leben schwer machen. Und auch das Mädchen, das neu in die Klasse kommt und mit dem Mira gerne befreundet wäre, wird ihr vor der Nase weggeschnappt.
Ein Mädchen hat es besonders auf Mira abgesehen. Die Fiese. Die Fiese schikaniert Mira, wo es nur geht. Zunächst kann Mira gut Paroli bieten und teilt auch aus. Doch das immer stärker werdende Mobbing, bei dem nach und nach auch die anderen Klassenkameraden einsteigen, lässt Miras Selbstbewusstsein schwinden. Und natürlich weiß die Fiese um Miras Rechtschreibschwäche. Und genau in diesem Punkt schikaniert sie Mira am meisten. Die Situation spitzt sich zu, als die Fiese auch noch Klassensprecherin wird und Mira nun noch mehr zusetzt. Mira wehrt sich, doch leider handelt sie sich mit ihren durchaus kreativen Maßnahmen nur noch mehr Ärger ein.
Bei den Erwachsenen findet sie keine Hilfe, nicht mal bei ihrer Mutter oder ihrer Klassenlehrerin. Alle scheinen sich gegen sie zu wenden. Erst als Mira auch körperlich mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Ohnmachtsanfällen reagiert, beginnen die Erwachsenen genauer hinzusehen und greifen ein. Das Blatt wendet sich.
Am Ende stellt die ganze Klasse eine tolle Zirkusshow auf die Beine und Mira hat erkannt, dass es wichtig ist, sich die Namen ihrer Klassenkameraden zu merken.
Ein wenig schade finde ich es, dass die Rechtschreibschwäche von allen Beteiligten als eine Art Schicksal ertragen wird. Die Mutter und die Oma üben zwar mit Mira Lernwörter, aber keiner kommt auf die Idee, dass Mira eigentlich eine professionelle Hilfe für ihre LRS bzw. Legasthenie braucht.

Das Buch selbst ist in der Ich-Form geschrieben. Man spürt beim Lesen, wie viel Energie eigentlich in Mira steckt. Sie ist wirklich nicht auf den Mund gefallen und ihre Kommentare sind witzig und humorvoll. Um so mehr trifft es einen als Leser, dass es Mira immer schlechter geht und sie unter der Situation mehr und mehr leidet.

Da die Geschichte eine normale Lesbarkeit hat, ist das Buch zum Selberlesen weniger für Kinder wie Mira geeignet. Ich finde es auch schade, dass gerade bei diesem Thema nicht mehr auf eine einfache Lesbarkeit geachtet wurde. Der Text wird nur durch wenige, wenn auch witzige Zeichnungen unterbrochen. Da der Textumfang bei XXL liegt, braucht es zum Selberlesen ein gehöriges Maß an Konzentration und Ausdauer. Auch die Anforderungen an das Lese-Sinn-Verständnis sind recht hoch. Zusätzlich tauchen im Text durch Miras Schreibungen immer wieder kleine Worträtsel auf, die das Lese-Sinn-Verständnis zusätzlich erschweren.
Daher empfehle ich bei leseschwachen Kindern, das Buch gemeinsam zu lesen oder es vorzulesen. Es eignet sich auf alle Fälle wunderbar dazu, ins Gespräch zu kommen und ist für Kinder, die ähnliche Probleme wie Mira haben, vielleicht eine Möglichkeit über ihre Erfahrungen mit dem Lesen und Schreiben zu sprechen.
Für Leser, die nur Probleme mit der visuellen Wahrnehmung und Verarbeitung haben, empfehle ich das E-Book.
Und wer Spaß an Miras Wortakrobatik findet, der kann auf folgender Webseite noch mehr davon finden.

Linkslesestärke

Nebenher gibt es hier auch Adressen von Verbänden und Informationsseiten im Web zum Thema Legasthenie. Denn – Kinder wie Mira brauchen Hilfe. Sehen wir hin und geben ihnen diese Hilfe.

Dieses Buch wurde mir vom cbt Verlag als kostenfreies Prüfexemplar zugesandt.

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