Heut machen wir ein Picknick

Ulrike Strätling
Brunnen Verlag

Alter: Jung und Alt /WM/ Lesbarkeit: einfach / Textumfang: S-M(144 Seiten)

Demenzkranke vergessen früher oder später wichtige Bewegungsabläufe, die für das selbstständige Leben unverzichtbar sind. Dazu gehören etwa die Körperpflege, das Essen mit dem richtigen Besteck, kleinere Einkäufe, einfache Hausarbeiten und vieles mehr. Die Wie-geht-was-Geschichten in diesem Buch erinnern an solche Alltagssituationen und wie sie ausgeführt werden. In kurzen, verständlichen Sätzen erzählt Ulrike Strätling humorvolle Episoden aus dem täglichen Leben. Zwischendurch gibt es Entspannungsgeschichten, kleine Rätsel, alte Kinderreime und Gebete. Quelle: Brunnen Verlag

Leseempfehlung

von Sabine Kruber

5-Minuten-Geschichten für demenzkranke Menschen. Die Autorin Ulrike Strätling betreute ihre demenzkranke Mutter, leitet Alzheimersprechstunden und engagiert sich in Gesprächskreisen für Angehörige von Demenzkranken. Diese Erfahrung merkt man ihren Texten an.
Bei einer Demenzerkrankung kommt es zunächst zu Einschränkungen im Kurzzeitgedächtnis. Später kommen Orientierungsstörungen hinzu. Das Zeitgefühl schwindet, Orte und Personen werden nicht mehr erkannt. Es kommt zu Einschränkungen beim Denken, dem eigenen Urteilsvermögen, beim Erkennen von Sprache und bei praktischen Handlungsabläufen. Das Langzeitgedächtnis und die Emotionen bleiben aber noch lange erhalten.
Ulrike Strätling hilft demenzkranken Menschen durch ihre Texte, sich immer wieder an Alltagssituationen zu erinnern und stützt somit die Erhaltung von Alltagskompetenzen. Der Schwerpunkt liegt in ihren Texten auf Bewegungsabläufen, die für den Alltag unverzichtbar sind.
Das Buch ist in verschiedene Schwerpunkte unterteilt. So gibt es folgende Oberthemen: Bewegungsabläufe im Alltag, Hobby, Tiere und Freizeit sowie Glaube, Liebe und Freundschaft.
In den Geschichten werden die Handlungsabläufe detailliert geschildert, dabei sind sie aber stilistisch so geschickt geschrieben, dass sie sich trotzdem wie eine Geschichte und nicht wie eine Gebrauchsanleitung lesen. Neben einem rein erzählenden Charakter gibt es auch Entspannungsgeschichten, die den Zuhörer animieren, z.B. zu spüren, barfuß über den taunassen Rasen zu laufen und sich dies vorzustellen.
Am Ende eines Textes stehen häufig Redewendungen, die dazu einladen, über die gerade gehörte Situation zu sprechen und mit den Redewendungen zu verknüpfen. In den Geschichten wird auch immer wieder gereimt. Wobei das Reimwort in Klammern steht. Der Vorlesende kann das Reimwort auslassen und die Zuhörenden ergänzen dies dann. Auch gibt es zwischen den Geschichten immer wieder reine Reimgeschichten oder alte Abzählreime.
Die Geschichten und Texte haben alle eine einfache Lesbarkeit. Die Sätze sind kurz. Obwohl es sich eigentlich um Vorlesegeschichten handelt, können diese Geschichten auch gut von dementen Menschen gelesen werden, deren Lesefähigkeit noch erhalten ist und von Menschen mit leichteren Formen der Aphasie. Leider sind die Serifenschrift, die Schriftgröße und der Zeilenabstand nur normal groß, sodass ich Lesern, die Probleme mit der visuellen Wahrnehmung und Verarbeitung haben, einen Lesestein oder eine Leselupe empfehle.
Durch die einfache Lesbarkeit können auch schon gut lesende Grundschulkinder ihren Großeltern aus dem Buch vorlesen. Einige Geschichten, wie Die schlaue Maus oder Der kleine Regenwurm dürften Grundschulkinder auch inhaltlich ansprechen.

Fazit: Ein sehr schönes Vorlesebuch, das in erster Linie für Demenzerkrankte geschrieben wurde. Durch die vielen Reime, die sehr ansprechenden Geschichten und die einfache Lesbarkeit, dürften aber auch Enkelkinder im Grundschulalter Spaß daran haben, ihren Großeltern etwas vorzulesen.

 

 

 

 

 

 

 

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