Linkslesemut

oder die Sache mit dem Versiebtlein

Band 2

Anja Janotta & Stefanie Jeschke
cbt Verlag

Alter: ab 9 /Wm/Lesbarkeit: normal /Textumfang: XXL (240 Seiten)

Wo drückt der Schu - fragt Frau Ku!
Mira wundert sich: Während ihre Freunde alle liebesverwirrt sind, bewahrt sie mit indischem Weisheitspunkt auf der Stirn einen kühlen Kopf. Unter dem Namen Dr. Ku, der Kummerkastentante bei der Schülerzeitung, erteilt sie in komm-bläh-zierten Verliebungsfällen sogar weisen Rat. Trotzdem, die Liebe ist nichts für sie. Als jedoch die strenge Reck-Tor-in Miras Schülerzeitungs-Artikel zum Thema Regeln verbieten will, setzt sich einer ganz besonders mutig für Mira ein: M...aurice, der Maulaufreißer ...
Quelle: cbt Verlag

Leseempfehlung

von Sabine Kruber

Das ist schon so eine Sache, wenn alle um einen herum verliebt sind und man selbst noch gar nichts damit am Hut hat. So ergeht es jedenfalls Mira in Linkslesemut, dem zweiten Band von Anja Janotta.
Nachdem Mira im ersten Band, unter anderem wegen ihrer Rechtschreibschwäche, sehr unter dem Mobbing ihrer Klassenkameraden gelitten hatte, läuft es nun eigentlich wieder prima für sie. Nur um sie herum, da spielen plötzlich alle verrückt, auch ihre beste Freundin Svenja und ihr längster Freund Felix. Alle sind verliebt. Mit diesem so plötzlich um sich greifenden Phänomen hätte sie eigentlich schon genug zu tun, aber ... da ist ja auch noch ihre Rechtschreibschwäche (äh, ich meinte natürlich Linkslesestärke). Mira spürt diesbezüglich ihr Anderssein und merkt, dass diese Schwäche nicht wirklich akzeptiert wird - außer von ihren Freunden. Dazu kommt, dass Mira immer noch keine adäquate Hilfe für ihren Rechtschreibfrust erhält. Mama hat nur die blöde Idee, mit ihr deshalb zum Schulpsychologen, oder wie Mira schreibt, zum Psycho-Locken zu gehen, damit der ihr einen Schrieb ausstellt, der sie gleich wieder zur Außenseiterin abstempeln würde, so befürchtet Mira. Daher wehrt sie sich gegen besagten Schrieb, durch den die Lehrer in der Schule mehr Rücksicht auf ihre Rechtschreibschwäche nehmen müssten. Besser würde die Rechtschreibung durch den Schrieb ja auch nicht werden. Aber die Alternative, die der Psycho-Locke schließlich mit ihr aushandelt, bringt Mira im Folgenden auch nur Probleme.
Anja Janotta zeigt auch in Linkslesemut wieder sehr deutlich und dabei mit sehr viel Leichtigkeit, mit welchen Schwierigkeiten legasthene Schüler und ihre Familien zu kämpfen haben. Band 2 ist genauso wie Band 1 kein Problembuch. Mira ist so ein starkes Persönchen und so kreativ, wenn es darum geht, dass Anderssein nicht Schlechtsein heißt, dass es wirklich Spaß macht, Mira zuzuhören. Ja, wirklich, beim Lesen bekommt man das Gefühl, Mira sitzt vor einem und erzählt leidenschaftlich, was ihr auf der Seele brennt. Und dies tut sie mit Witz und Charme und voller Vertrauen, denn die Freundschaft hat sie ja dem Leser schon in Band 1 angeboten. Es ist die Ich-Perspektive, in der Anja Janotta schreibt, die so eine enge Beziehung zwischen dem Leser und Mira entstehen lässt.
Der Psycho-Locke schlägt Mira vor, bei der Schülerzeitung mitzuarbeiten, um die Scheu vor dem Schreiben zu verlieren. Außerdem soll sie weiterhin zu Hause Lernwörter üben.
Die Maßnahmen der Mutter, die ihrer Tochter daraufhin regelmäßig Lernwörter aufgibt, bringen Mira in ihrer Rechtschreibung nicht wirklich weiter, führen aber zu Stress zwischen Mutter und Tochter.
Doch auch mit der strengen Reck-Tor-in bekommt Mira mächtig Ärger. Mira setzt sich sehr stark mit den Themen anders sein und Regeln auseinander. Dabei geht es nicht nur um ihr eigenes Anderssein, sondern auch um das ihrer Mitschüler, die neuerdings halt alle verliebt sind und sich so anders benehmen. Als Dr. Ku will sie ihren Mitschülern helfen. Doch als sie diese Themen in der Schülerzeitung einbringen will, passt das der Rektorin so gar nicht.
Dabei stellt Mira viele kluge Fragen. Wenn ihr die Erwachsenen doch mal zuhören würden. Sie fragt sich, wer diese ganzen Regeln erfunden hat – dass man zum Beispiel nicht strebern soll, aber auch nicht rechtschreibschwächeln, dass Jungs automatisch in Fußball gut sind und Mädchen Make-up brauchen, um hübsch zu sein. Und wer „bestimmt, dass man Witze darüber machen darf, wenn Mädchen X Junge Y mag?“ Mira reagiert auf diese Fragen sehr sensibel und kommt zu einem wirklich starken Fazit: „Wer diese Regeln erfunden hat, den möchte ich mal treffen. Den möchte ich fragen, wovor der Angst hat.“
Wenigstens hat Miras Oma ein sehr gutes Gespür für den Frust ihrer Enkelin und merkt sehr schnell, dass diese ganze Lernwörterlernerei Mira nicht wirklich hilft. Dafür bringen Omas verrückte Satzdrehscheiben Mira wieder zum Lachen, leider aber auch auf eine ganz dumme Idee, die Mira prompt neuen Ärger einbringt. Mit den Satzdrehschreiben macht sie ihren Frust über das dumme Schreiben so richtig deutlich. Doch als sie eine Drehscheibe in die Schülerzeitung schmuggelt, hat sie den Bogen überspannt. Der strengen Reck-Tor-in, die sich so gar nicht in Miras Situation reinversetzen kann, platzt endgültig der Kragen. Doch wie gut, dass Mira nun so tolle Klassenkameraden hat, die sich alle hinter sie stellen und so das Schlimmste verhindern können.

Auch Linkslesemut hat wieder eine normale Lesbarkeit. Der Romananfang tendiert jedoch zu einer einfachen Lesbarkeit und kommt somit Lesern entgegen, die gerade erst beginnen Literatur mit einer normalen Lesbarkeit zu lesen. Ebenso wie im ersten Band gibt es natürlich auch im zweiten Band wieder ganz viel von Miras Wortakrobatik zu lesen. Diese Wortschöpfungen sind wirklich lustig und es macht Spaß, die kleinen Worträtsel zu knacken. Da sie aber mitten im Text auftauchen, kann es sein, dass sie das Lesesinnverständnis erschweren. Im Buch gibt es ganzseitige Illustrationen, jedoch zu wenig, um das Lesesinnverständnis wirklich zu unterstützen.
Da Miras Geschichte gerade auch für leseschwache Kinder sehr interessant ist und ganz bestimmt zu zahlreichen Gesprächsanlässen führen wird, empfehle ich, für den Fall, dass das Buch zu schwer ist, es im Tandem zu lesen oder vorzulesen. Für Leser, die sich mit der Serifenschrift schwertun oder die Probleme mit der visuellen Wahrnehmung und Verarbeitung haben, empfehle ich das E-Book.

Linkslesemut – Die Sache mit dem Versiebtlein – Mira ist ein ganz tolles Mädchen, die sich nicht nur kluge Gedanken macht, sondern auch immer für ihre Freunde da ist und sich von so etwas wie einer Rechtschreibschwäche – äh Linkslesestärke - nicht unterkriegen lässt. Hut ab!

Und Mira, wenn Du es wilden Buchstaben und durchgedrehten Wörtern mal so richtig zeigen willst – ich hätte da schon ein paar kreative Ideen. Kannst mich jederzeit fragen.

Dieses Buch wurde mir vom cbt Verlag als kostenfreies Prüfexemplar zugesandt. 

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